Will unsere Generation sich nicht mehr binden?

Hallo! 

Erst vor einigen Wochen las ich auf Instagram erneut eine recht ausführliche Caption zum Thema Liebe & Beziehung in der heutigen Gesellschaft. In diesem Post ging es zusammengefasst darum, dass unsere heutige Generation kaum mehr fähig wäre zu lieben oder echte Bindungen einzugehen, alles wäre heute so schnelllebig, keiner gäbe sich mehr Mühe und auf Ehrlichkeit und Treue würde kein Wert mehr gelegt werden.
Sind wir etwa die Generation „liebesunfähig“?

Wenn ich von einer Generation spreche, dann beschreibe ich damit eine recht große Gruppe -männlich, wie weiblich-  zwischen 25 bis ca. 35 Jahren, denn darauf bezog es sich im entsprechenden Post und zu dieser zählten auch die ganzen Kommentatoren.
Unserer Generation wurde vorgeworfen, keine Werte mehr zu kennen und selbstverständlich wäre früher, als es noch kein Tinder & Instagram gab, alles besser gewesen.
Da waren die Menschen noch aufrichtiger und an echten Beziehungen und nicht nur an oberflächlichen Begegnungen und Sex interessiert.

Da ich mich zumindest laut meinem Alter zu dieser „liebes- und bindungsunfähigen“ Generation zuzählen muss, erlaube ich mir natürlich auch, mich dazu umfangreich zu äußern, denn ich habe da so meine ganz eigene Theorie.
Zum Teil hatte ich diese auch schon unter dem Posting verfasst und wurde ( wie zu erwarten) von anderen aus der Community dafür angegriffen.
Da ich mich aber besonders gerne und intensiv mit solchen Themen befasse und ausschweifende, themenübergreifende Romane niedertippen könnte, verfasse ich hier zumindest nochmal diesen Monolog und vielleicht schaffen wir es dann anschließend in einen vernünftigen Austausch, denn mich interessieren deine Ansichten dazu brennend.

Damals war alles besser 

Die selbe Leier auf jede Lebenslage anwendbar: Früher war alles so viel besser.
Natürlich lassen sich aktuelle, meist recht persönliche und somit subjektive Umstände gerne und am einfachsten mit genau dieser Denkweise entschuldigen.
Verantwortlich an den negativen Veränderungen ist selbstverständlich immer Social Media und seine Bandbreite an satanistischen Apps, die unsere Generation manipuliert und abstumpfen lässt. Allen voran Instagram und Tinder.

„Früher glaubten die Menschen noch an Liebe und gaben sich Mühe -da wurde noch gekämpft für die Beziehung. Nicht so wie heute, wo man wegen jeder Kleinigkeit die Beziehung beendet.“

„Heute heiratet keiner mehr und Beziehungen halten nicht mehr so lange wie früher. Diese Paare, die ein Leben lang zusammen bleiben, gibt es gar nicht mehr. Unsere Großeltern wussten noch, was Liebe ist.“

„Heute will sich keiner mehr binden, lieber schneller Sex und ständig wechselnde Partner. Heute will man den anderen ja gar nicht kennenlernen.“

„Es geht nur noch um höher, schneller, weiter. Keiner will mehr Kompromisse eingehen und sucht immer nur was noch besseres.“

Bevor ich mich über den Grundtenor der Kommentatoren und die Darstellung Tinders hermache, sei beiläufig erwähnt, dass der Großteil der Kommentare von Frauen stammt.
Ein Fakt, der vielleicht in den folgenden Ausführungen nicht ganz unwesentlich erscheint, da ich mich ja als „verzweifelte Single-Frau“ dieser zuvor bezifferten Generation theoretisch in diese Denkweise einreihen sollte – theoretisch.
Gut, dass ich mich praktisch aber etwas weniger subjektiv und vor allem sehr intensiv mit dieser Thematik auseinandersetze, nicht auf einem Dorf, sondern in unserer wunderschönen Hauptstadt wohne und mir mehr als nur drei Männern als potentielle (Sex-)Partner zur Auswahl stehen.

 

 „Social Media macht uns oberflächlich.“

Well, fair enough: Social Media ist oberflächlich insofern, dass hier kaum einer ausführliche Essays über sein Privatleben unter die Bilder schreibt, sondern es in der Regel eher um Selbstvermarktung und -darstellung geht.
Sinnvolle, motivierende oder lustige Quotes, statt Lebensläufen und Diskussionsrunden über private Probleme.
Social Media ist Tummelplatz für Inspiration, hübsche Bilder und mal mehr, mal weniger gelungenes Marketing.

Inwieweit oberflächliche Plattformen uns allerdings in unserer eigenen Oberflächlichkeit beeinflussen, hängt immer noch von uns selbst ab.
Berufsbedingt bin ich quasi 24/7 auf Social Media unterwegs, führe eine On-Off-Beziehung mit Tinder und lasse mich gerne von all den Oberflächlichkeiten berieseln.
Bin ich selbst deshalb oberflächlich?
Gewiss nicht. Zumindest nicht, wenn es um geistige Haltung geht. Manchmal wünschte ich mir allerdings, ich wäre ein wenig oberflächlicher, denn dann würde ich weniger Stunden darauf verbringen, mir über jeden Mist so viele Gedanken zu machen.
Back to the topic!
Natürlich muss sich jeder ein klein wenig oberflächliches Handeln  eingestehen, schließlich folgen wir relativ wahllos irgendwelchen fremden Menschen auf Instagram, liken ihre schicken Bildchen, ohne oftmals die dazugehörige Caption zu lesen. Wir wissen nicht, welche Art Mensch sich hinter dem Account verbirgt, bekommen nur gefilterte Eindrücke mit, bilden uns daraufhin unsere Meinung und folgen oder entfolgen, liken oder haten.
Ja das ist irgendwie oberflächlich, aber das versaut noch keine ganze Generation.

Auf Tinder entscheiden wir nach Bildern – hot or not – und vielleicht auch nach den charmanten Profilbeschreibungen, die verfasst werden. Auch das, erstmal sehr oberflächlich.
Aber sollen wir deshalb nicht mehr in der Lage sein, den Sinn des Lebens zu diskutieren und echte Liebe zu empfinden?

 

Was ist echte Liebe?

 

Vielleicht, um das Thema auch wirklich korrekt – und nicht oberflächlich – zu behandeln, sollten wir zuerst einmal definieren, was man denn eigentlich unter „echter Liebe“ verstehen soll.
Was macht echte Liebe aus? Wo fängt sie an und gibt es für dafür eine Art Messgerät?

Wikipedia sagt…

Zitat:
„Liebe
 ist eine Bezeichnung für stärkste Zuneigung und Wertschätzung.

Nach engerem und verbreitetem Verständnis ist Liebe ein starkes Gefühl, mit der Haltung inniger und tiefer Verbundenheit zu einer Person (oder Personengruppe), die den Zweck oder den Nutzen einer zwischenmenschlichen Beziehung übersteigt und sich in der Regel durch eine entgegenkommende tätige Zuwendung zum anderen ausdrückt. Das Gefühl der Liebe kann unabhängig davon entstehen, ob es erwidert wird oder nicht.“

Merke: Liebe ist ein Gefühl. Gefühle sind (zumindest streng wissenschaftlich betrachtet) nicht messbar, sondern lediglich Reaktionen der Nerven, die durch diese Gefühle ausgelöst werden.

Wie definiert man denn nun aber echte und weniger echte Liebe?
Stimmst du zu, wenn ich sage, dass jeder einzelne von uns absolut individuell ist in seiner Art?
Kein Mensch wird jemals einem anderen in allen Belangen zu 100% gleichen.
Daraus ziehe ich die Schlussfolgerung, dass Liebe einfach nicht gleich intensiv empfunden bzw. ausgelebt werden kann.
Liebe an einer Größe festzumachen, fühlt sich für mich als sehr offener und liebender Mensch extrem falsch an.
Ich selbst bin jemand, die sehr intensiv liebt und meiner Liebe auf ganz unterschiedliche Weise Ausdruck verleihe.
Deshalb kann ich aber nicht beurteilen, ob ein anderer genauso intensiv liebt wie ich.
Vielleicht ja sogar noch viel mehr, aber weniger offensiv?!
Von echter und unechter Liebe zu sprechen, ist daher irgendwie paradox oder?
Man stürzt sich mit der Denkweise Liebe kategorisieren zu müssen nur in eine Erwartungshaltung und setzt den Gegenüber unter Druck.
Selbst wenn ich von gespielter Liebe sprechen möchte, müsste ich eine andere Begrifflichkeit wählen, aber dürfte nicht auf so etwas wie „echter Liebe“ rumreiten.

 

Heute lieben wir anders als früher.

Liebe bzw. Partnerschaft funktioniert heute anders – aus meiner Sicht eine sehr positive Entwicklung, denn wir sind uns heute bewusst, welche Möglichkeiten wir haben.
Wir müssen nicht mehr Schema F befolgen, sondern dürfen uns in unserer Liebe frei entfalten.
Wir dürfen lieben, wen wir wollen und können dies auch fast uneingeschränkt ausleben.

Eigentlich doch ziemlich nice oder?
Partnerschaften müssen nicht mehr so festgefahren sein wie früher. Wir können viel mehr experimentieren und eine Partnerschaft mehr den eigenen statt den gesellschaftlichen Bedürfnissen anpassen.
Frauen müssen nicht mehr nur das Heimchen spielen, sondern haben die Chance auf eine gleichberechtigte Rolle in der Beziehung.
Heute müssen wir nicht erst heiraten, bevor wir eine Wohnung gemeinsam beziehen dürfen.
(Für die, die zu jung sind: In der DDR bekam man als unverheiratetes Paar keine Wohnung ab)
Wir können den Rhythmus in unseren Partnerschaften selbst vorgeben.

Ist das wirklich eine Entwicklung, die wir schlimm finden und diesem Damals nachtrauern wollen?

„Heute will keiner mehr ernsthafte Bindungen eingehen.“

Mal ganz abgesehen davon, dass ich von Pauschalisierungen grundsätzlich nichts halte, frage ich mich, wie man auf diese Annahme kommt? Doch eigentlich nur durch persönliche Frustration, weil man keinen Partner abbekommt, obwohl man so krampfhaft danach sucht.
Zugegeben habe ich in einigen Phasen, wo ich mich sehr nach einem Partner gesehnt habe, ähnlich gedacht.
Ich habe selbstverständlich ganz brav alle Schuld bei den Männern gesucht und war überzeugt, dass das männliche Geschlecht heutzutage lieber von Ast zu Ast hopst, statt sich auch mal irgendwo auszuruhen.
Ich dachte auch, dass Männer sehr oberflächlich und bindungsscheu geworden sind.

Ich habe viele viele Gespräche geführt, die sich genau mit diesem Thema befassten.
Und soll ich dir nun den Grund nennen, warum unsere Generation sich nicht mehr so schnell bindet und warum vielleicht auch du keine(n) abbekommen hast, weil der/die Passende noch nicht dabei war?

Es ist nicht das böse, böse Social Media. Es liegt nicht an Tinder oder anderen Datingapps.
Es liegt nicht daran, dass wir plötzlich nur noch höher, schneller, weiter wollen.

Der Grund, weshalb es unserer Generation gefühlt! so viel schwerer fällt sich zu binden, liegt meiner Meinung nach schlichtweg an unserer persönlichen Weiterentwicklung.

Wir sind nicht mehr die „desperate Kids“ von damals, die nach zwei mal Daten sagen „Wir sind jetzt ein Paar und so in love.“
Wir haben uns über die Jahre weiterentwickelt und Erfahrungen gesammelt.
Wir haben sind zu einer selbstständigen Person herangewachsen, haben unseren festen Standpunkt im Leben gefunden, uns Ziele gesetzt, manche vielleicht schon erreicht und in der Regel eine sehr stabile Persönlichkeit entwickelt.
Wir können aus den Erfahrungen vergangener Beziehungen schöpfen und wissen ziemlich genau, was wir wollen und vor allem aber auch, was wir nicht wollen.

Früher waren wir schneller in Beziehungen, weil wir uns gar nicht die Zeit gegeben haben, jemanden kennenzulernen und zu sehen, ob die Person wirklich zu uns passt.
Heute lernen wir einander oftmals nicht kennen, weil wir eben genau wissen, dass der andere nicht zu uns passt.
Denn wir können mit Gewissheit sagen, dass bestimmte Eigenschaften oder Umstände nicht mit uns und unserem Leben matchen.
Wir sind also nicht bindungsscheu, wir sind einfach nur nicht mehr so naiv wie früher.  Warum dann also sinnlos Zeit darauf verschwenden den Menschen kennenzulernen, wenn er für uns als Partner und vielleicht auch nicht als Freundschaft in Frage kommt? Und selbst wenn wir uns was erhoffen, können wir doch nicht den Gegenüber mit unserer Erwartung belasten, right?

Ich kann mittlerweile sehr genau definieren, welche Art Mann ich in meinem Leben haben möchte, weil ich weiß, welche Stärken, aber auch Schwächen ich habe und was ein Mann für mich mitbringen muss.
Ich weiß, wie weit meine Kompromissbereitschaft reicht und wie viel ich mir selbst wert bin.
Ich möchte mich selbst nicht für einen Mann aufgeben, nur um in einer Partnerschaft zu sein und möchte gleiches nicht von einem Partner, denn ich möchte nicht sein Anker sein und nicht die, von der er sein Glück abhängig macht.
Ich möchte, dass der Mensch allein für sich funktioniert und nicht erst durch mich vervollständigt wird.
Das ist nicht Sinn einer Beziehung!

„Unsere Generation kämpft nicht mehr um die Beziehung.“

Weißt du, was mir an Kompromissen nicht schmeckt? Dass sie mit Erwartungen einhergehen und damit, dass sich einer von beiden an irgendeinem Punkt selbst verliert.
Es ist kein falscher Egoismus, wenn wir weniger kompromissbereit sind. Im Gegenteil- es ist die einzig sinnige Entscheidung, die wir treffen können.
Ich höre und lese so oft darüber, dass man in einer Beziehung auch kämpfen muss und Kompromisse ganz normal sind, dass man bestimmte Verpflichtungen und Erwartungen eben eingeht.

Ich verrate dir, welche Verpflichtungen ich innerhalb der Beziehung eingehen möchte:
Ehrlichkeit und Respekt. That’s it.

Eine Beziehung sollte keine Arbeit darstellen. Wie viel bin ich mir denn selbst wert, wenn ich ständig um meine Beziehung kämpfen muss, wenn ich mich ständig in Kompromissen wiederfinde?
Macht eine Beziehung dann wirklich Sinn und ist sie erfüllend? Oder ist es letztlich nur die aus unserer Kinderstube mitgenommene Angst vor dem Alleinsein?
Sind wir unfähig nur mit uns allein auszukommen, dass wir uns lieber so vielen Kompromissen und „Kämpfen“ hingeben wollen?
Warum sehen wir dieses Kämpfen um die Liebe als normal und richtig an, aber das Bedürfnis, lieber auf einen Partner zu warten, der wirklich zu uns passt nicht?
Ist es die Ablehnung, die uns wütend und unsicher macht?
Sind wir nicht selbstsicher genug, dass wir mit Ablehnung nicht umgehen können?
Ist es die Angst, dass wir vielleicht keinen mehr abbekommen könnten?
Wollen wir lieber den Erstbesten, statt den Richtigen?

Die Antwort ist doch eigentlich recht simpel.
Wenn dich jemand nicht möchte, dann bist du einfach nicht gut genug für ihn.
Vergleichen wir das mit der Jobsuche:
Wenn ich mich auf eine Stelle bewerbe und nicht angenommen werden, dann kann das folgende Ursachen haben:

– Ich habe mich nicht gut genug verkauft.
– Ich bringe nicht die nötigen Eigenschaften für diesen Job mit.
– Die Konkurrenz war stärker.
– Ich passe nicht ins Team.
– Meine kommunizierten Erwartungen sind zu hoch.

Wenn du das jetzt auf ein Date ummünzt, wirst du womöglich sogar direkt feststellen, dass du dein Gegenüber vielleicht auf die gleiche Art bewertest.
Wenn ich einen Job nicht bekomme, weiß ich, dass ich einfach nicht gut genug war und dann akzeptiere ich das ohne groß zu jammern.
Ich muss zu einem Unternehmen passen, wenn das Ganze funktionieren soll. Und so ist es eben auch bei der Partnersuche.
Es muss passen!

Wenn du nicht warten kannst, bis der oder die Richtige kommt, solltest dir vielleicht weniger Gedanken darüber machen, warum dich jemand nicht möchte und wie liebesunfähig unsere Generation ist und dich stattdessen mehr hinterfragen, warum du nicht allein sein kannst.
Letztlich ist es nämlich das Gefühl der Einsamkeit, was den verzweifelten Wunsch nach einem Partner wachsen lässt.
Ich habe dazu übrigens noch ein paar interessante Gedanken, die ich dir aber lieber in einem anderen Beitrag erzählen möchte.

Lass uns stattdessen noch zum verteufelten Tinder kommen.

„Männer wollen nur noch schnellen Sex.“

Ach ja… diese Abneigung und Verteufelung von Tinder.
Entweder kommt sie von denen, die Tinder nur vom Hörensagen kennen oder denen, die erfolglos getindert haben.
Auch ich führe eine On-Off Beziehung mit dieser App und habe mein Konto in den letzten zwei Jahren mehrfach gelöscht und wieder neu installiert.
Gründe dafür gab es immer verschiedene. Aber letztlich, so gebe ich zu, ist sie eine gute Möglichkeit, Menschen außerhalb des eigenen Wirkungskreises kennenzulernen, Menschen, auf die ich ohne diese App wahrscheinlich niemals getroffen wäre.
Es ist halt wie mit Aschenputtels Erbsenauslese: Die Guten ins Töpfchen…. Ich bekomme einen riesigen Katalog potentieller Spiel- oder Beziehungspartner auf dem Silbertablett serviert.
Logisch, dass von diesen Hunderten Menschen in meinem Radius nicht jeder zu mir passen und meine Vorstellungen teilen kann oder?
Es ist doch nur normal, dass ich nach der Nadel im Heuhaufen suchen muss, wenn es um diese eine richtige Person geht.
wieso muss ich dann also eine pauschalisierende, abwertende Meinung haben, wenn ich auf meiner Suche auch mal auf die weniger guten Partien treffe?
Wie erfolgreich oder ernüchternd sich diese App für mich entwickelt, hängt letztlich aber wieder sehr stark von meinen Erwartungen ab. Wenn ich nach meinem Traummann suche, muss ich sehr lange fischen, bevor der Richtige am Haken ist.
Wenn ich offen für andere Sachen bin, werde ich mit Sicherheit sehr schnell fündig.

Ob ich Tinder verteufeln möchte, ist also sehr stark von meiner eigenen Einstellung abhängig und weniger von den Männern.
Übrigens verhalten sich Frauen auf dieser App auch nicht besser. 😉
Und man kann natürlich nicht unter den Tisch kehren, dass sich dort auch sehr fragwürdige Gestalten tummeln, aber die trifft man auch außerhalb dieser App.
Ich habe in diesen zwei Jahren Tinder-on-off übrigens sehr wertvolle Menschen kennengelernt, mit denen es zwar nicht für die Liebe, sehr wohl aber für eine Freundschaft gereicht hat und mit denen ich heute sehr verbunden bin. Wenn eben auch auf eine andere Weise.

„Früher lernte man sich erst kennen und hatte dann Sex. 
Heute hat man Sex und lernt sich dann kennen.“

Seien wir froh darüber, dass wir unsere Sexualität heutzutage frei ausleben dürfen, nicht erst heiraten müssen und somit nicht die Katze im Sack kaufen.
Nehmen wir doch unsere Chance dankend an, dass wir uns ausprobieren können, mit Menschen Sex haben, die vielleicht auf dieser Ebene zu uns passen, aber in anderen Belangen eher weniger.
Genießen wir die gewonnene Freiheit, uns nicht veralteten gesellschaftlichen Zwängen unterwerfen zu müssen, in den Frauen und Männer einfach machen können, statt nur davon träumen zu dürfen.
Genießen wir diesen Hauch Abenteuer.
Ich finde rein gar nichts schlimm daran, dass man heute vielleicht schneller im Bett landet und das Kennenlernen erst danach so richtig beginnt.
Why not?
Warum nicht offen sein für Abenteuer? Warum sich selbst Grenzen setzen, die einem vor Anzahl X an Dates verbieten, Spaß zu haben?
Warum finden wir es denn immer noch verwerflich, dass Erwachsene Menschen sich einfach dem Hingeben, worauf sie Lust haben?
Leben und leben lassen. Sex wollen und sex genießen. That’s the ultimate shit!

Zusammenfassend sei gesagt, dass man sich mit diesem ganzen Thema aus mehreren Perspektiven beleuchten und sich selbst mehr hinterfragen sollte.
Man kann unmöglich die eigenen Unzufriedenheit, nicht erfüllte Liebe und missglückte Dates auf eine ganze Generation abwälzen.
Unsere Generation ist nicht versaut, nicht bindungsscheu oder liebesunfähig. Wir sind lediglich reifer geworden und unsere Ansprüche größer.
Wir wollen einfach mehr, als nur jemanden der da ist. Wir wollen jemanden, der zu uns passt und diesen jemand zu finden, dauert länger. Nimm dir diese Zeit. Nimm dir Zeit für dich selbst und verschwende weniger darauf, dich über diese gar nicht so verkommene Generation zu ärgern.

Und hier der Hardfact: In meinem Freundes-/ Bekanntenkreis sind nur ganz ganz wenige single. Der große Rest ist vergeben, verheiratet, besitzt oder brütet Kinder aus und zelebriert die Liebe.
Ich war in den letzten 2 Jahren auf 7 Hochzeiten!
Now it’s your turn. 🙂

Over and out!

Aileen

 

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