Social Detox – Zeit zum Alleinsein

Hallo!

Happy New Year! – Little too late, but so what?!
Ich habe offenbar eine Zeit des Detoxens hinter mir – Nope, keine grüne Saftkur, keine Zauberpillen. Aber ganz viel Social Detox.
Soziale Auszeit? Braucht man das, will man das?
Eines meiner großen Learnings in 2019 ist mitunter, dass alleine sein und sich zurückziehen ziemlich gut für Herz und Seele sind. Alleinsein beudetet nicht gleich Einsamkeit und von diesem Alleinsein möchte ich zukünftig noch viel mehr Raum geben. Egoistisch? Vielleicht ein bisschen. Aber gleichzeitig auch ziemlich gesund. 

Sommer – Hoch oben, über den Dächern Berlins sitze ich, schaue der Sonne zu, wie sie als roter Ball langsam hinter der Skyline der Hauptstadt versinkt und den Himmel dabei in ein tiefes Rosa taucht.
Ich sitze hier und lasse das Schauspiel auf mich wirken, genieße die Ruhe und das Abseits vom lauten Trubel da unten.
Ich habe ein Date mit mir selbst und ich genieße es in vollen Zügen.

Ich bin laut, immer fröhlich und munter, redend -meist ohne Punkt und Komma.
Wild, chaotisch und extrovertiert.
Was man nicht weiß, dass ich mich gleichermaßen gerne zurückziehe und dann nur für mich sein möchte.
Dass ich mich oft ganz allein auf den Weg mache, mit dabei nur Musik und meine Kamera, um dann durch Berlins Straßen zu ziehen, um einfach nur all die Eindrücke auf mich wirken zu lassen, während die Musik in meinen Ohren im 4/4 Takt wummert.

Oft sitze ich nur da, gehe spazieren oder fahre auf meinem Rad und genieße dieses Alleinsein.

Ich nenne es allerdings nicht Alleinsein, sondern vielmehr meinen Social Detox.
Das bewusste Ausblenden meiner sozialen Kontakte, um meinen Kopf frei zu blasen, von allen belastenden, mich stressenden Gedanken.
Das Freimachen von Ängsten und Sorgen.
Das Abschalten von allem.
Alleine sein – Ich habe sehr lange gebraucht, mir ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wann ich allein sein muss und das Alleinsein nicht unbedingt etwas negatives ist.
Früher war das für mich undenkbar.
Ich war es nicht gewohnt und hatte massive Probleme damit, ohne andere Menschen zu sein.
Ich habe die Gegenwart von anderen konsumiert, wie Junkies ihre Drogen.
Ich konnte nicht mit Stille umgehen und auch nichts mit Nichtstun. Ich habe Stunde um Stunde im Social Media verbracht, um wenigtens gefühlt eine Verbindung zur “echten” Welt zu haben, wenn es gerade nicht anders ging.
Ich habe mir kein Alleinsein – keinen Social Detox – gegönnt.

Ich gehöre zu der Gattung “hypersensibel” –  Menschen, die sich in ihren Gedanken verlieren, nicht abschalten können und bei jeder Gelegenheit alle möglichen Optionen im Kopf durchspielen.
Menschen, die viel mehr Reize und Eindrücke wahrnehmen als andere.
Hypersensibel zu sein, ist etwas, was man erstmal erkennen muss. Was lange unterdrückt oder falsch abgetan wird. Ich habe erst nach einem Burnout in einer Pflichtauszeit und dem Leben auf einer Insel gemerkt, dass ich viel zu lange eine Reizüberflutung zugelassen habe.
Allerdings hat es fast fünf weitere Jahre gebraucht zu verstehen, dass nicht nur bestimmte, vor allem negative Reize, sondern manchmal auch einfach alle und somit die positiven Reize zu viel sein können.
Manchmal ist es für mich sehr anstrengend, wenn der Kopf nicht aufhört zu arbeiten, während alles andere schon längst keine Kraft mehr hat und dringend eine Pause bräuchte.
Es ist anstrengend sich mit allem auseinanderzusetzen, was um einen herum passiert und gleichzeitig zu versuchen, die Kontrolle zu behalten.

Wenn ich ehrlich bin, kann ich selbst erst so wirklich seit fast drei Jahren mit dem Alleinsein umgehen. Davor war ich mehr oder minder kontinuierlich in irgendeiner Beziehung und konnte Alleinsein nicht wirklich akzeptieren.
Es hat also ganze dreißig Jahre gedauert, zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Körper und Geist ein viel größeres Bedürfnis haben, als immer in Gesellschaft zu sein – das Bedürfnis nach Ruhe. Das Bedürfnis von sozialer Unabhängig – nach ausbleibenden Reizen von außen.
Der Mensch braucht im Allgemeinen zwar das soziale Umfeld, aber manchmal kann genau dieses Umfeld auch erdrückend und einfach zu viel sein – die Erwartungen zu hoch.
Gerade Social Media mit all den Postings von Partys, Events, Essen mit Freunden oder romantischer Zweisamkeit suggeriert, dass Alleinsein irgendwie uncool ist. Wer allein, nicht ständig verabredet ist oder coole Unternehmungen macht in seiner Freizeit, der hat vielleicht zu wenige Freunde und ist aller Wahrscheinlichkeit nach auch ziemlich einsam.

Ich habe bisher selten bis nie jemanden gesehen, der in einer Story erzählt hat, dass er sich jetzt allein auf sein Rad setzt, nur für sich sein möchte, nicht zum Brunch verabredet ist oder zu irgendeinem angesagten Event geht, sondern sich ausschließlich seiner selbst widmet.
Alleinsein wird nicht kommuniziert oder nur in Verbindung mit Depression – mit negativen Gefühlen.
Alleinsein bedeutet für die Mehrheit Einsamkeit.

Einsamkeit ist absolut nicht instagramable.

Die Abhängigkeit von sozialen Kontakten ist konditioniert

Der Mensch braucht die soziale Gesellschaft, um glücklich zu sein. Wir sind von Kindertagen an darauf konditioniert mit anderen in sozialer Beziehung zu stehen – den Eltern, den Erziehern, Lehrern und später dann Kollegen und Partnern. Im Regelfall sind wir erst nach der Ausbildung oder dem Studium das erste Mal soweit auf uns allein gestellt, dass wir allein in einer Wohnung wohnen.
Das heißt, bevor wir das erste Mal mit dem Alleinsein konfrontiert werden, sind wir bereits junge Erwachsene.

Davor lernen wir uns in Gruppen einzufügen und uns unterzuordnen. Wir lernen “teamplay”, “fairplay” und “social-play”
Wir lernen, so hofft man, Konflikte mit anderen sachlich zu lösen und im Alltag zu funktionieren.
Wir lernen all die Softskills, auf die es im Beruf ankommt.

Aber was lernen wir nicht? Mit uns allein auszukommen.
Wir lernen Konflikte mit anderen zu lösen, nicht aber mit uns selbst.
Wir lernen, auf die Bedürfnisse anderer zu achten und sie zu respektieren, nicht aber die eigenen Grenzen zu erkennen.
Wir befinden uns in einem Hamsterrad aus Leistungsdruck und Zugzwang.

Kompromisslos geben wir uns als junge Erwachsene dem “ganz normalen Wahnsinn” unserer Gesellschaft hin und funktionieren. Wir funktionieren solange, bis der Moment kommt, indem wir das erste Mal nur auf uns gestellt sind.
Bis wir erkennen, dass es etwas gibt, was wir bisher nicht erlebt haben:
Alleinsein.

Dieses ungewohnte Alleinsein führt bei der Mehrheit zu einer Überforderung, die noch viel größer ist als die des Alltags.

 


Wie funktioniert soziale Auszeit?

Was macht man ohne soziale Gesellschaft? Ohne Instagram, ohne Whatsapp & Co.? Ohne sich durch Tinder zu swipen und nach Bestätigung zu jagen?
Wie beschäftigt man sich sinnvoll alleine?
Ich meine nicht nur diese eine Stunde “Freizeit”, die wir mal ohne Partner genießen, ohne Kinder, die etwas von uns brauchen, nicht die Mittagspause, in der wir eben um den Block gehen und frische Luft schnappen. Ich meine diese Zeit, die sich so unendlich lang anfühlen kann, Abende, an denen wir allein auf unserer Couch sitzen, ins Handy starren vor Langeweile und Netflix unser bester Freund zu sein scheint. Stunden in denen wir am liebsten vor uns selbst wegrennen wollen?

Ehe ich verstanden habe, dass ich diese Zeit der Stille, die über viele Jahre so erdrückend sein konnte, für mich nutzen kann, musste ich einige Prozesse durchlaufen.
Ich war noch nie ein Mensch von Oberflächligkeiten und habe mir wahrscheinlich schon immer den Kopf über alles mögliche zerbrochen. Aber erst mit den Jahren lernt man diese Gedanken zu differenzieren und irgendwie in eine richtige Richtung zu steuern. Und ähnlich war es nun mit dem Alleinsein.
Während Alleinsein früher bloße Überforderung mit mir selbst bedeutete, ist es heute die willkommene Abwechslung zum großen Rest, der dem gegenübersteht.

Obwohl ich so oft etwas unternehmen könnte, verleiht mich mein inneres Bedürfnis am Ende doch dazu, mir diese Auszeiten bewusst zu gönnen.
Ich versuche in dieser Zeit keine ToDo’s abzuhaken, mir keine neuen Aufgaben zu stellen oder alte zu erfüllen.
Ich nehme mir keine Ziele vor für diese Zeit – übrigens mit ein Grund, weshalb es hier auf dem Blog ruhiger geworden ist.
Ich nehme mir diese freie Zeit einfach an und gebe ihr so viel Raum, wie sie benötigt.
Das können manchmal Stunden, manchmal aber auch ein ganzes Wochenende und länger sein.

Mal kann es sein, dass ich über Stunden auf meiner Couch liege, leise die Musik im Hintergrund summt und ich zur Zimmerdecke starre, ohne, dass in dieser Zeit irgendetwas “sinnvolles” passiert. Ich lege mein Handy weg, manchmal schalte ich es sogar komplett aus, um nicht doch wieder darauf zu starren und mich  in meiner benötigten Social Detox Zeit nicht selbst zu torpedieren.
Manchmal kann es sein, dass ich mit neuen Ideen, mit Motivation oder mit einer Speicherkarte voller Footage zurückkehre, weil mir diese Zeit in einen kreativen Rausch geschupst hat.

Und andere Male wiederum, kann es eben sein, dass ich einfach hoch oben auf dem Dach sitze, auf die Stadt herunter blicke, die rosaroten Töne des Himmels anschmachte und dankbar bin, dass ich das jetzt hier in aller Ruhe genießen darf, ohne einen Gedanken an gestern, heute oder die Zukunft zu verschwenden. Andere gehen dafür meditieren und ich habe meinen Weg des Alleinseins gefunden.

Das alles klingt so einfach und unbeschwert und trotzdem muss Alleinsein gelernt sein und nicht jeder kann damit umgehen.
Der Wunsch nach einer Auszeit nur für sich kann auch auf Widerstand treffen, auf Unverständnis.
Jemand der selbst nicht gern allein ist, der die Aufmerksamkeit sucht und braucht, wird dir wenig Raum geben wollen, wenn du ihn selbst benötigst.
Aber genau dann ist es wichtig, deinem Bedürfnis zu folgen und nicht dem des Anderen.

 

Social Detox von jetzt auf gleich?

Während meines eigenen Prozesses habe ich mich immer wieder selbst hinterfragt und mich dabei erwischt, wie ich mir häufig vorgegaukelt habe, gerade sehr glücklich zu sein, nichts zu haben, was fehlt und dankbar zu sein für all das. Ich wollte positiv denken, nach vorne schauen und einfach weitermachen. Aber genau da liegt der Knackpunkt. Weitermachen. Weitermachen ist nicht das Ziel, den die Ruhepause des Alleinsein verfolgt. Alleinsein heißt nicht, sich Aufgaben zu widmen und sich damit gekonnt von seiner Pause abzulenken. Vielleicht geht es dir ähnlich, aber ich ertappe mich regelmäßig dabei, mich mit einem Turm an “längst überfälligen” Aufgaben von meinem eigentlichen Problem abzulenken. Ganz egal ob es Frust, Enttäuschung,Trauer oder Wut oder einfach die bloße Überforderung und der Wunsch nach Ruhe sind.

Wenn ich es nicht spüren will, dann putze, räume und renoviere ich in meiner Wohnung. Wenn ich das mit positivem Stress und Gefühlen vergleiche, äußert sich mein Bedürfnis auf eine ganz andere Weise.

Zu viel Gesellschaft macht krank!

Meistens geht es uns in Gesellschaft gut. Wir genießen sie, haben Spaß, lachen, reden, kuscheln oder hören jemandem einfach nur zu. Wir haben das befriedigende Gefühl, unsere Freizeit neben Job und Alltagsstress sinnvoll zu nutzen. Aber manchmal liegt genau da der Teufel begraben. Wir umgeben uns parallel zu all dem Reiz von Arbeit und Alltag zusätzlich mit Reizen unserer Freizeitbeschäftigung.
Klar ist das auch eine Art den Stress abzuwerfen, loszulassen und sich etwas Gutes zu tun. Aber es sind eben gleichzeitig weiterhin Reize, die Körper und Geist irgendwie verarbeiten müssen.

Ich habe mir vor knapp drei Jahren nach meiner Trennung sehr sehr viele dieser Reize gegönnt, mich wieder stark auf “mein Leben” fokussiert und Dinge nachgeholt, zu denen ich innerhalb meiner Beziehung keine Chance oder Zeit hatte.
Auf mich prasselte so viel ein, sodass ich nach einem Jahr das erste Mal merkte, dass mir nur noch nach weinen zumute war und jetzt ganz dringend eine Pause brauchte, was sich am Ende sogar gesundheitlich bemerkbar machte. Schon wieder!
Depression? Nein – Einfach nur zu viel von außen!

 

Finde deine Society – Solitude – Balance

Zu viel emotionaler und körperlicher Stress und eine schlechte Work-Life-Balance führen zu “Herzschmerz”, zu emotionaler und körperlicher Überforderung und muss behoben werden. Aber eine gesunde Work – Life – Balance bedeutet eben nicht, weniger Arbeit und mehr Freizeit.
Ich gehe den Schritt weiter und sage im Abschnitt “Life” muss es eine weitere Differenzierung geben:

Die, wie ich sie nenne,  Society – Solitude – Balance.
Frei übersetzt: Die Balance zwischen in Gesellschaft und alleine sein.

Denn was nützt ein Mehr an Freizeit, wenn wir diese nicht auch effektiv dazu nutzen uns auszuruhen und unserem Kopf, dem Geist und dem Körper eine Auszeit gönnen? Nicht durch Treffen mit Freunden, deren Probleme wir konsumieren, nicht durch ToDos und wilde Partynächte, nicht durch Tinder bekommen wir unseren Kopf frei. Wir bekommen ihn frei, indem wir ihm ganz bewusst ganz viel soziale Auszeit gönnen.

Mag sein, dass sich ein Besuch im Spa nach Urlaub anfühlt und man mal kurz den Alltag vergisst, aber ist das nicht wiederum auch nur eine Befriedigung von sehr kurzer Dauer?
Es ist der Konsum eines schönen Momentes, den wir aufsaugen und von dem wir unter Druck meinen ganz lange zehren zu wollen.
Aber das Erleben solcher Momente, ist am Ende eben doch nur wieder das Konsumieren von Reizen – bewussten und unbewussten.

Auch wenn sich alleine sein manchmal komisch anfühlt, wenn es vielleicht überfordert oder so manch einem vor den Kopf stößt, wenn wir unsere Auszeit einfordern – die kleine Auszeit vom sozialen Leben da draußen ist wichtig.

Mein Vorsatz für 2019 heißt daher: More Social Detox.

Und damit verabschiede ich mich ins Wochenende und wünsche dir eine entspannte Zeit – allein oder zusammen.

Liebst
Aileen

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