Work – Life – Balance : Der Weg ist das Ziel!

Hallo! 
Work – Life – Balance. Was ist eigentliche die richtige Work – Life – Balance?
Wenig arbeiten und viel Freizeit? Was macht einen guten Job aus? Ist Happiness wichtiger als guter Lohn?
Ich glaube, nichts erscheint komplizierter, als die Frage nach dem richtigen Job und den für sich optimalen Verhältnis zwischen Freizeit und Arbeit.

Leider erlaubt es uns das Leben nicht wirklich ewig auf den für uns besten, schönsten und richtigen Job zu warten.
Das echte Leben lässt sich nur von echtem Geld bezahlen und wer nicht sein ganzes Dasein lang von Sozialleistungen abhängig sein möchte, der muss sich wohl oder übel einen Job suchen. Aber welches ist DER richtige für dich?

Spulen wir kurz ein Stück zurück in meine Vergangenheit.

Mit ca. fünfzehn wusste ich ziemlich genau, womit ich mein Geld verdienen wollte: als Makeup Artist.
Fasziniert von den Makeup Künstlern aus Film und Tv wollte ich unbedingt nach dem Abitur eine Friseurausbildung beginnen, um darauf aufbauend dann mein Makeup Artist Diplom zu bekommen.
Gesagt – getan.
Nur 1 Jahr nach der Ausbildung hatte ich mein Diplom als Makeup Artist in der Hand, durfte bei der Fashion Week mitwirken, auf der Bühne Trends im Namen meiner damaligen Firma vorstellen, Azubis ausbilden, bei Shootings beiwohnen, Bräute aufhübschen und mich hier und da kreativ austoben.
War ich glücklich? Nein! Habe ich gut verdient? Ja!
Ich merkte schnell, dass mich dieser Job nicht erfüllte, fühlte mich ausgebrannt und hatte Dank einer teilweise 7 Tage Arbeitswoche mit nicht mal ganz 25 Jahren einen Burnout.

Anschließend habe ich meinen Job gekündigt, bin nach Ibiza und habe eine Saison lang dort gelebt, gefeiert und natürlich auch gearbeitet. Jeden Tag durfte ich den Strand genießen, um mich herum immer gut gelaunte Menschen, die das kurze Abenteuer auf der Isla Blanca suchten und ich mitten drin – beneidet von all den Touris, die nur kurzweilig da waren und jederzeit mit mir getauscht hätten.
War ich glücklich? Definitiv! Habe ich gut verdient? Leider nein!

Nach Ibiza ging es für mich nach einem kurzen Zwischenstopp weiter nach London, wo ich die nächsten 8 Monate verbracht habe. Back in old business als Stylistin habe ich mich durch den mittlerweile verhassten Job geplagt, täglich Kundinnen betüddelt und mir abends Wärmepflaster auf meine schmerzenden Schultern geklebt. In London erkannte man schnell, welche Ausbildung ich in Deutschland genossen hatte und bot mir nach nur 1 1/2 Monaten eine Position als Trainer an.
Ich lehnte dankend ab.

Zurück in Berlin Ende des Sommers 2012 stand für mich fest, dass ich nie wieder fest zurück in diesen Beruf und mich umorientieren möchte.
Wohin? Keine Idee.
Über Umwege kam ich zum Nähen, vom Nähen zum Bloggen, von da zum Stoffladen, vom Stoffladen zum großen Stoffunternehmen und von dort wiederum zur Assistenz der Geschäftsleitung bei einem Festival. Zwischendrin kamen noch so diverse andere Kleinigkeiten, die nebenher liefen und mich dem, was ich heute mache, nur näher brachten.
Du merkst, auf meinem Lebenslauf tummeln sich so einige Stationen.

Alles machte irgendwie Spaß, alles bot in seiner Art Herausforderungen und doch war es nie das, was mich erfüllte, glücklich machte und womit ich mich zu 100% identifizieren konnte.
Bei einer Bewerbung hinterlässt so ein sprunghafter Lebenslauf oft einen unangenehmen Beigeschmack bei Personalern.

Aber ganz ehrlich:
In unserer heutigen Gesellschaft, wo einfach alles so unfassbar schnelllebig ist, wo wir sagenhaft viele Möglichkeiten haben, wo wir unsere Grenzen selbst festlegen können und in der Lage sind, Jobs nicht mehr nur nach einem Masterstudium gut zu machen, sondern auch durch autodidaktisches Lernen, Engagement und Wille zeigen können, dass wir für eine Position geeignet sind, da ist es vollkommen okay, wenn man sich nicht in den ersten 2 Jahren nach der Schule festlegt, womit man die nächsten 40 Jahren seine Brötchen auf den Tisch holt.

Ich kenne eine Menge Leute unter 30, die im Studium stecken, in der Ausbildung oder bereits seit einigen Jahren im Berufsleben sind und die trotzdem nicht wissen, wohin ihre Reise gehen soll.
Viele fühlen sich orientierungslos, sind unentschlossen und frustriert.
Ich bin vor einigen Tagen 32 geworden und kann erst seit wenigen Wochen behaupten, dass ich mich das erste Mal in meinem Berufsleben angekommen fühle.
Das sind also ganze dreizehn Jahre nach Schulabschluss.
Dreizehn Jahre, in denen ich mich gesucht, ausprobiert, neuerfunden und bis an die Grenzen der Erschöpfung gebracht habe, um herauszufinden, was ich beruflich machen möchte bzw. womit ich mich beruflich identifizieren kann.

Das ich ausgerechnet in dieser Branche Fuß fassen würde und PR und Social Media Arbeit für ein Sextoy – nein, für DAS Sextoy – betreiben würde, darauf wäre ich im Leben nicht gekommen.


Was habe ich eigentlich für Perspektiven?

Das Schulsystem zwingt unsere Kinder von Beginn der ersten Klasse Leistung zu erbringen. Wer es anders möchte, muss Glück oder viel Geld haben, um seinem Kind ein anderes Schulkonzept als das standardisierte ermöglichen zu können.
Wir sitzen stumpf in der Schule. Individualität gibt es in der Schule zum Großteil nicht. Auch nicht im Studium. Außer, man zählt zu den wenigen, die es sich leisten können, ihren gesamten Bildungsweg über Privatschulen, in kleinen Kursen und mit sehr spezifischen Lern-Bildungs-Zielen zu durchlaufen.

Heute ist es Pflicht, dass man studiert. Ich kenne aktuell tatsächlich niemanden unter 30, der nicht studiert hat oder sich nicht noch im Studium befindet.
Studium scheint die neue Norm für alles. Egal was du studierst, Hauptsache du studierst.
Es gibt Freunde, die studieren etwas, ohne zu wissen, was genau sie damit eigentlich anfangen können und wollen.

Lange habe ich geglaubt, ich müsse auch nochmal zur Uni, weil mir ohne diesen Studiumsabschluss, ein guter Job wahrscheinlich verwehrt bliebe.
Man hat das Gefühl, man müsse sein eigenes Leben um Jahre zurückspulen, um den Anschluss nicht zu verpassen.
Meist geht es nicht darum, wofür die eigene Leidenschaft brennt und ob man der bloßen Motivation und den selbst angeeigneten Wissen wegen, für eine Position geeignet sein könnte, sondern es geht um bloße Fakten – um Stationen in einem Lebenslauf, die darüber Aufschluss geben sollen, wie gut man in seinem Beruf sein sollte.

Doch mein Lebenslauf kann sich noch so toll lesen,theoretisch lässt sich das ein oder andere hinein schummeln und keiner merkt es. Aber meine tatsächliche Qualifikation, meine Leidenschaft und Motivation wird sich nicht immer in wenigen Sätzen auf einem Blatt Papier niederschreiben lassen.

Als junger Mensch hat man das Gefühl, man könne alles erreichen und doch fühlt man sich perspektivlos, weil man überfordert ist von dem Druck, den andere machen, von der Gesellschaft, in der man nur mit besonders coolen Jobs und möglichst hohem Gehalt angesehen wird, von den immer steigenden Lebenshaltungskosten, von dem perfekten Leben, was einem auf Instagram vorgegauckelt wird, bei dem sich junge Mädchen Anfang zwanzig bereits Prada Handtaschen leisten können. Natürlich selbst bezahlt.

Die Standardanforderungen an einen „richtigen“ Job sind ziemlich hoch heutzutage. Gefühlt ist man nur was, wenn man den richtigen Jobtitel nennen kann.
Die Frage nach dem, was man beruflich macht, taucht ziemlich schnell auf und kann für einige in einem unangenehmen Augenrollen enden.
Druck – Druck – Druck.

 

Natürlich müsste sich niemand von uns diesem Druck unterwerfen. Jeder könnte selbstbestimmt sein Leben leben und sich von Standards entsagen.
Wie aber in einer Gesellschaft mithalten, in der es letztlich nur um Verdienst geht?
Allein schon bei der Wohnungssuche trennen sich ganz klar Welten ab.
Die Welt der coolen Besserverdiener, die sich das Leben in den Trendvierteln leisten können und solche, die sich eben irgendwann falsch entschieden haben und Dank schlechtem Verdienst auch in den schlechteren Wohnbezirken wohnen müssen.

Work – Life – Balance . 

Beschränkt sich diese Balance nun also nur auf das angemessene Verhältnis zwischen Arbeits – und Frei- Zeit ?
Oder ist Work – Life – Balance vielmehr der Grad der Zufriedenheit mit seiner Rolle als Indiviuum im Hamsterrad der Arbeitswelt?

Ich habe viele Stationen durchlaufen. Höhen und unfassbar viele Tiefen erlebt.
Ich habe mal mehr gearbeitet und mal weniger. Mal habe ich sehr gut verdient und mal nicht genug, um mir Essen leisten zu können. Mal war ich extrem glücklich und mal habe ich meinen Job einfach nur gehasst.

Doch letztlich hatte jede einzelne Station mit der anderen eines gemeinsam:
Sie war der nächste Schritt vorwärts.

Ich habe mir ganz einfach 13 Jahre Zeit genommen, um mich dort wiederzufinden, wo ich heute bin.
Ich arbeite viel, ich arbeite hart und ich verfolge mein Ziel.
Ich habe nicht den perfekten Job. Ich verdiene mir keine goldene Nase. Ich habe nicht mehr als genug Freizeit.
Und trotzdem bin ich glücklich wie nie zuvor.
Ich gehe glücklich und erschöpft zu Bett und stehe mit einem Lächeln am nächsten Tag wieder auf, um erneut viele Stunden zu arbeiten.

Ich fühle mich nich überfordert. Ich fühle mich nicht erschöpft.
Ich bin nicht unzufrieden und nicht mehr perspektivlos.

Ich habe mir durch harte Arbeit, durch Ehrgeiz und Leidenschaft eigene Perspektiven geschaffen. Ich habe einen Job bekommen für den ich auf den ersten Blick nicht qualifiziert genug gewesen bin.
Ich habe mich trotzdem beworben und letztlich durch Persönlichkeit und brennende Leidenschaft überzeugt, durch mein Engagement mich nebenher über viele Jahre selbst weiterzubilden.
Ich habe ein Ziel verfolgt und mich diesem allein durch Mut genähert.

Wir müssen nicht mit 19 Jahren die Schulbank verlassen und ein klares Berufsziel vor Augen haben.
Wir müssen nicht stramm eine Linie verfolgen.
Wir müssen nur uns verfolgen. Wir dürfen unsere eigenen Bedürfnisse, unsere Wünsche, unsere Leidenschaft und unsere eigenen Prioritäten nicht aus den Augen verlieren. Wir dürfen uns ausprobieren. Wir dürfen entdecken und dabei auch mal fallen. Wir müssen dann umschwenken, wenn der eine Weg zu Ende ist und wir unglücklich sind.
Wir haben so viele Jahre für uns die richtige Work – Life – Balance zu finden.
Sie muss sich nicht auf einem Lebenslauf wiederfinden. Sie muss sich in uns wiederfinden.

Wenn du auf der Suche bist, dann höre nicht auf zu suchen, bist du es gefunden hast. Du musst dich nicht heute festlegen, du musst nicht heute wissen wohin, aber du kannst heute auf dein Bauchgefühl hören.

Der Weg ist das Ziel. Und das eine Ziel kann eines von vielen sein.

LIEBST
Deine Aileen

 

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.