Ungehemmt im Internet posten?

Hallo!

Kennst du diese innerliche Blockade, Dinge so zu tun, wie du es gewohnt bist, wie du sie machen möchtest, aber vor dieser einen Person, da traust du dich nicht, du selbst zu sein, verstellst dich oder fühlst dich gehindert überhaupt zu agieren?
Du willst Eindruck machen, dich von deiner besten Seite zeigen oder lieber gar nichts preisgeben, weil dieser eine Mensch, am besten Null über dich wissen sollte.
Auf Social Media wägst du gewissenhaft ab, welche Bilder du posten, welche Texte du wie formulieren oder welche Clips du hochladen solltest. Du fühlst dich gehemmt von der Angst, diese eine Person könnte es sehen, sich ein Urteil über dich bilden und seine bisherige Meinung über dich ändern.
In letzter Zeit befinde ich mich mit einer Freundin immer wieder im Gespräch über ein bestimmtes Thema:

Wie gehemmt fühlt man sich, auf seinem Blog, den privaten oder öffentlichen Social Medias zu posten und Dinge über sich Preis zu geben, wenn man genau weiß, wer es liest und es uns nicht egal ist, was diese Personen über uns denken?

Natürlich weiß ich als Bloggerin, dass meine Texte von echten Menschen gelesen werden, meine geschriebene Meinung und die Bilder bei irgendwem ankommen.
Aber zu meinen Lesern und Followern auf diesen Kanälen besteht eine gewisse Distanz. Die meisten davon kenne ich nicht persönlich, nur von Events, flüchtigen Begegnungen oder kurzen Gesprächen im Internet.

Ich habe keine persönliche, subjektive Meinung zu ihnen und deshalb habe ich das Gefühl, mich ohne Scham mit meiner eigenen Meinung und meinen Bildern zeigen zu können, ganz so, wie es mir der Sinn danach steht, denn selbst, wenn man mich dafür verurteilen würde, wäre es mir vielleicht nicht unbedingt egal, aber ich würde es nicht an mich heranlassen.
Ich habe das Gefühl ungehemmt sein zu können und meinem Frust, meiner Freude oder anderen Gefühlen Ausdruck verleihen  und irgendwem da draußen vielleicht etwas mitgeben zu können.

Was aber, wenn du genau weißt, wer deine Leser sind, wer die Posts, Insta Stories und Bilder penibel studiert und somit irgendwie auch deine Gedankengänge kennt?
Was wenn dein Chef,deine Kollegen, dein Tinderdate oder die Person, in die du dich gerade verliebst, plötzlich dein Leben aufarbeitet, dein Instagram verfolgt, deine Blogbeiträge liest und dich vielleicht schon besser kennt, als dir lieb ist?
Was, wenn sich längst vergessene Menschen aus der Vergangenheit als Kommentatoren auf deinem Blog oder unter deinen Bildern zurückmelden?
Was, wenn dein Schwarm am Tisch mehr Infos über dich vor dem ersten Date herausgefunden hat, als du glaubst, jemals öffentlich gemacht zu haben?
Klickst du dich dann schnell durch deine Kanäle, kontrollierst all deine Posts und löscht gegebenenfalls all das, was dir vor diesem Menschen unangenehm sein könnte?

Mit Facebook, öffentlichem Instagram, Blog und Co. ermöglichen wir es jedem uns zu stalken, sich eine Meinung über uns zu bilden und bieten gleichzeitig wahnsinnig viel Interpretationsspielraum und Angriffsfläche.
Aus aktuellem Anlass habe ich mich in den vergangen Tagen wieder sehr intensiv damit befasst, wie gut (oder weniger gut) ich eigentlich mit meiner Rolle als Bloggerin und meinem „öffentlichem“ Dasein nach außen umgehen kann.

Der Begriff „Influencer“ ist unter eben solchen ein begehrter Titel und zieht positive Anhängsel nach sich.
In der „echten“ Welt hingegen wird man für sein Blogger oder Instagram-Dasein schnell mit Augenrollen oder einem verspottenden Lächeln bestraft.  „Ach Bloggerin ja…..?hmmm verstehe!“

Ich bezeichne mich bewusst nie als Influencerin, weil ich mich nicht als solches verstehe, aber auch zu sagen, dass ich Bloggerin bin, geht nicht unbedingt immer leicht über die Lippen, wenn jemand vor mir sitzt, der entweder mit dieser Materie nichts anzufangen weiß oder den ich nicht gleich verschrecken möchte und bei dem ich nicht möchte, dass sein erster Griff zum Handy geht, um zu schauen, was ich mache.
Blogger und Influencer sein heißt, sich mit Vorurteilen und jeder Menge Schubladen rumzuplagen. Sich an bescheidenen Zahlen mit anderen zu messen und die immer gleichen Konversationen zu führen. Dem Wort Influencer oder Blogger wird automatisch eine große Berühmtheit beigemessen. Erfüllt man die Zahlen nicht, scheint man seine Arbeit vielleicht auch nicht ganz richtig zu machen.
Selbst Nicht-Blogger fragen dich heutzutage direkt: „Du bloggst? Spannend und wie viele Follower hast du auf Instagram?“

Nach außen hin kann man nichts, weiß nichts und schreibt eh nur Blabla. Die Vorurteile wachsen auf der einen Seite und die Verunsicherung auf der anderen.
Seit einiger Zeit lesen hier vermehrt Menschen mit, zu denen ich in irgendeiner Art eine persönliche Bindung habe und bei denen es mir vielleicht auch sehr unangenehm ist, mich hier so mit meinen Meinungen zu präsentieren. Ich überlege mir mittlerweile ziemlich genau, was ich noch preisgeben mag, wie ich mich zeige und welche Themen ich anschneiden möchte.
Nein mir ist meine Meinung als solches nicht unangenehm und ich stehe zu jedem einzelnen Wort, was ich sage und schreibe, aber möchte ich deshalb trotzdem nicht, dass man mich allein durch meinen Blog und meine Instagram Präsenz bereits in eine Schublade stecken kann.

Und da sitze ich dann wieder in diesem Konflikt zwischen Authentizität und Fake.
Zwischen Ehrlichkeit und Privatsphäre.
Zwischen Sinnhaftigkeit und Oberflächlichkeit.

Will ich mich und meine Gedanken verstecken und nur noch belanglos schreiben, dafür aber nichts über mich preisgeben, womit ein anderer arbeiten und was mir vor dieser einen Person unangenehm sein könnte?

Wenn ich Menschen kennenlerne und sie erfahren, dass ich blogge, folgt ziemlich schnell die Frage nach meinem Blognamen. Ich antworte immer, dass ich das (zumindest zu diesem Zeitpunkt) gar nicht verraten möchte, weil ich es schön fände, wenn man erstmal mich als Menschen, als Aileen kennenlernt und nicht als meine Bloggestalt.

Natürlich bin ich hier ich. Aber ich bin nur diese kleine Spitze eines riesigen Eisberges und ich möchte, dass Menschen, die in meinem Privatleben eine Rolle einnehmen (sollen), mich nicht als die Bloggerin, sondern als Aileen sehen.
Genauso wenig, wie ich einen Promi nach seinem öffentlichen Status als Mensch beurteile, genauso wenig, möchte ich als Bloggerin beurteilt werden.

Hinter jeder Person im öffentlichen Leben und sei es eben nur das öffentliche Profil auf Instagram, für alle Welt zugänglich, steckt ein Mensch, der so viel mehr zu bieten hat, als das, was er oder sie so öffentlich zeigt.
Egal, wie viel ich dir hier oder auf Instagram von mir zeige, so wird es immer nur dieser kleine Teil sein von einem großem Ganzen, der viel komplexer ist, als meine Texte.

Neulich habe ich mich gefragt, was von all dem, was ich jemals in der Vergangenheit gemacht und durch Social Media bewiesen werden könnte, würde ich gerne in der Bild Zeitung lesen oder im Tv sehen wollen?
Was wäre mir furchtbar unangenehm? Worauf wäre ich stolz?
Was könnte man sonst noch so in meinem Keller für Leichen finden?

Eine seltsame Frage an sich selbst meinst du?
But: who knows what happens in the future?
Wer weiß, wie sich Begegnungen manchmal entwickeln und wie dein Leben dann von einer ganz anderen Perspektive durchleuchtet wird.

Ja manchmal fühle ich mich gehemmt im Schreiben. Manchmal fühle ich mich beobachtet. Manchmal traue ich mich nicht bestimmten Personen zu folgen, weil ich nicht möchte, dass es ihnen genauso geht, in dem sie wissen, dass ich ihnen folge und sie sich nicht verstellen sollen.
Vielleicht würde ich manchmal auch jemandem um ein Date bitten, letztlich aber nie fragen, weil ich weiß, dass dieser jemand mir auf Instagram folgt, meinen Blog liest und bereits viel zu viel über mich weiß und ich mich bei einem Date wahrscheinlich ziemlich verloren und nackt fühlen würde.
Ich fühle mich jedes Mal irgendwie entblößt, wenn sich jemand aus meinem Privatleben plötzlich auf meinen Social Medias verirrt und ich das Eine vom Anderen nicht mehr abgrenzen kann.
Plötzlich habe ich das Gefühl, mich für all das hier rechtfertigen und es in Schutz nehmen zu müssen.

Verrückt ist das. Denn obwohl ich meine Meinung mit dir teilen möchte, mit dir als völlig fremden Menschen, so möchte ich vielleicht das gleiche nicht meinem Date, meinem Chef oder meiner alten Schulfreundin diskutieren.

Dann möchte ich die Delete- Taste drücken und alles, was jemals veröffentlicht wurde aus dem WWW entfernen und dem Gegenüber ein leeres Blatt Papier präsentieren, welches er allein durch unser Kennenlernen befüllen soll.

Wie geht es dir bei diesen Gedanken? Gibt es für dich Personen, bei denen du dich genauso gehemmt fühlst. Beeinflussen dich bestimmte Personen in deinem Internetverhalten?
Tell me below!

Liebst deine Aileen

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