Das Recht am eigenen Bild

Hallo!

Du wirst auf Instagram unter einem Post in den Kommentaren markiert, du öffnest den Post und siehst ein Bild einer Person, die sich in diesem Moment ein Tattoo stechen lässt.
Du siehst genauer hin und realisierst, dass das Bild, was die Person sich machen lässt, deinem Tattoo sehr ähnelt.
Moment, es ähnelt deinem nicht nur. Es gleicht deinem sogar fast 1 zu 1.
Der Titel des Beitrages verspricht eine immer wiederkehrende Diskussion zum Thema “ Urheberrechte“ bezogen auf veröffentlichte Bilder.
Aber ich beziehe mich in meiner heutigen Kolumne mal auf etwas ganz anderes:
Tattoos.

Circa 17% der Deutschen sind tättowiert und der überwiegende Teil davon lässt sich sein Tattoo bewusst und mit persönlicher Bedeutung individuell anfertigen.

Nicht alle meine Tattoos haben eine tiefere Bedeutung für mich. Manche sind sogar ziemlich sinnfrei, fallen unter „Trendwelle“ oder ich fand die Motive einfach sehr schön und konnte mich damit identifizieren und einige andere, würde ich am liebsten wieder entfernen.

Trotzdem haben der überwiegend Teil der Bilder und Schriftzüge auf meiner Haut sehr wohl eine tiefere Bedeutung für mich.
Ich verbinde mit ihnen persönliche Überzeugungen, Lebensabschnitte und Personen.
(Nein ich habe keinen Namen irgendeines Ex Partners auf der Pobacke)


Nach langer Suche habe ich für mich meine persönliche Tattoo Künstlerin gefunden, der ich meine Haut ruhigen Gewissens anvertraue und von derer Kunst ich zu 100% begeistert bin.

Sie gehört zu denen, die sich mühsam hinsetzt und sehr individuelle Bilder für ihre Kunden anfertigt.
Kopieren oder etwas nachahmen, was bereits ein anderer so auf der Haut trägt, käme für sie nie in Frage und sie lehnt das konsequent ab.

Ehrenkodex unter Tattoowierern.
Leider halten sich nicht alle daran.

Meinen linken Unterarm habe ich meiner Tochter gewidmet und mich dabei vom japanischen Animé „PONYO – das große Abenteuer am Meer“ inspirieren lassen.

Mein Tochter ist wild, unbefangen und ziemlich sturrköpfig.
Ganz so, wie die kleine Ponyo aus dem Film.
Mich verbindet mit der Geschichte um Ponyo so einiges, was wohl einen eigenen Beitrag wert wäre und deshalb ist dieses Tattoo für mich so besonders.
Meine Tättoowierin Sonja hat sich damals die Mühe gemacht und die Pflanzen freihändig auf meinen Unterarm gemalt (übrigens auch auf meinem Instagram als Video zu bewundern) und meinem Tattoo damit eine ganz besonderne individuelle Note verliehen – ihren ganz eigenen Stil.
Farben und Formen sind mit Bedacht gewählt und genau auf meine Wünsche abgestimmt worden.

Nun stell dir also vor, du planst dein individuelles Kunstwerk, zahlst dafür viel Geld, weil es keine 0-8-15 Vorlage ist, sondern viel Talent, Zeit und Geduld kostet und dann entdeckst du deinen Unterarm bei einer Followerin wieder.

Ich denke jeder, der selbst ein bedeutsames Tattoo trägt, kann den Ärger und die Frustration darüber nachvollziehen.
Es wurde nicht 1 zu 1 kopiert.
Aber der elementare, einzigartige Teil: Die Pflanzen, das Negativ und selbst die Farbgebung.

Mein Entsetzen darüber war extrem groß und ich habe bis heute nicht direkt auf das Bild selbst reagieren können und wollen, obwohl der „Vorfall“ nun fast 3 Monate zurückliegt.

Wie soll man darauf auch angemessen reagieren?

Soll man sich geehrt fühlen? Soll man es als Kompliment verstehen?
Soll man sich bedanken? Losheulen? Beschimpfen? Den Tättoowierer anschreiben und fragen, ob ihm das nicht gegen die Berufsehre geht?

Ich war und bin bis heute geschockt.
Ich habe auch bis heute nicht auf das Bild bzw. die Verlinkung reagiert.
Ich wurde verlinkt mit dem Satz „Hey das sieht irgendwie sehr nach dem Tattoo von @piccola_loona aus?!“
Seitens der Person hieß es sinngemäß darauf  „ja ich habe mich da von dem wunderschönen Tattoo von ihr inspirieren lassen!“
Nein…. Du hast dich nicht inspirieren lassen. Du hast es kopiert. Fast 1 zu 1.
Ohne mich zu fragen. Ohne dich vielleicht selbst zu hinterfragen, welche Bedeutung dieses Tattoo für mich haben könnte.
Ohne dir Gedanken darüber zu machen, wie sich das für mich anfühlt, dass du dir meine Bilder genommen, sie deinem Tattoo „Künstler“ vorgelegt und ihn gebeten hast, dir das Gleiche zu verpassen.

Das ist kein Kompliment für mich nein.
Das fühlt sich nur falsch an.
Denn es ist falsch.

Ich habe nebst Hunderten von Euro auch ein ganzes Jahr mit der Planung investiert und mich genau damit beschäftigt, wie dieses Bild aussehen soll, um dass es ZU MIR und ZU MEINEM KIND passt.

Nie würde ich auf die Idee kommen einem anderen (und schon gar nicht ohne vorherige Frage) das Motiv zu klauen und meine Tättoowierin bitten, es mir zu stechen.

Es gibt Tausende Vorlagen im Netz, Grafiken, Illustrationen und und und, an denen man sich bedienen könnte, ohne dass man ein bereits existierendes Tattoo kopieren müsste.
Ponyo stammt schließlich auch nicht aus meiner Feder oder der meiner Künstlerin.

Sei individuell, sei einzigartig, sei DU selbst und wähle das, was zu dir passt und nicht, was an anderen schön aussieht.
Wer bist du? Was macht dich aus? Was hast du erlebt? Darauf sollten deine Inspirationen für dein Tattoo beruhen.
Nicht auf irgendwelchen Menschen im Social Media.

Leider bin ich, wie ich nun mehrfach auf Instagram (zB. bei https://www.instagram.com/jule.popule) bei weitem nicht die Einzige, bei der bereits Tattoos kopiert wurden.

Für die Einen mag es übertrieben klingen, weil das nunmal „so ist, wenn man sich der Öffentlichkeit präsentiert und dann muss man damit rechnen.“

Für die Anderen, so wie mich, ist das einfach unverständlich.

Auch ich habe ein Tattoo, welches es zweimal gibt.
Selber Schriftzug, selbe Körperstelle.
Der Unterschied: Wir haben es gemeinsam stechen lassen und wir verbinden damit sehr sehr viel.

Mich verbindet mit der Followerin nichts.
Und das macht mich traurig, denn wiederum, wie eingangs beschrieben, hat gerade dieses Unterarmtattoo für mich so eine große Bedeutung.

Ja für mich verhält es sich hier, wie mit dem Urheberrecht, nur mit dem Unterschied, dass ich die Jenige nicht abmahnen und auffordern kann, das Bild von Plattform XY zu entfernen.

Tattoos lassen sich nicht rechtlich schützen.
Ich habe keinen Anspruch auf mein Bild und ja, man läuft die Gefahr, dass es einem anderen genauso gut gefällt, wie einem selbst.
Doch appelliere ich an dieser Stelle an jeden einzelnen, der sich durch Tattoos selbst irgendwie von seinen Mitmenschen abheben, individuell und einzigartig sein möchte.
Hinter jedem Tattoo steckt eine Geschichte für den jenigen. Egal ob besonders bedeutungsvoll oder nur das Überbleibsel einer „Schnaps“Idee.
Die Geschichte besteht und diese sollte dem Träger gelassen werden.

Liebe Followerin,
solltest du diesen Beitrag tatsächlich lesen, möchte ich dir sagen, dass es mich wirklich sehr gefreut und ich es als Kompliment gesehen hätte, wärst du auf mich zugekommen und hättest mich gefragt, ob es mir recht ist, wenn du das Bild als Inspiration nimmst, es nicht kopiert, sondern nach Möglichkeit vor allem in den Farben etc. abgewandelt hättest.
Nun trägst du ein Tattoo am Unterarm, mit dem du mich und zukünftig auch meine Tochter und die Bedeutung dahinter verbinden kannst.

Möge es dich daran erinnern, dass jeder seine eigene Geschichte mit sich trägt – ob als Tattoo, als Klotz am Bein oder als Paket auf dem Rücken.
Und möge es dich daran erinnern, dass Tattoos, auch wenn man sie öffentlich zeigt, etwas sehr sehr persönliches für den Einzelnen darstellen.

Wie stehst du zu dem Thema?Hast du selbst Tattoos und würde s dich stören, wenn sie jemand kopiert? Wäre es dir egal oder sogar ein Kompliment?
Ich freue mich auf deine Meinung  . . .

PEACE

EURE FRAU P L

Mehr Kolumnen findest du übrigens HIER

 

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.