Der Streit um die guten Vorsätze und mein unerwarteter Jahreswechsel

Hallo!
„Same procedure as every year“
Pünktlich mit Dinner for One im ARD am Silvesterabend starten gleichzeitig die hitzigen Diskussionen um die guten Vorsätze im Social Media.
Dabei spaltet sich die Nation, wie so oft, in zwei Lager.
Die einen, die sich jede Menge guter Vorsätze nehmen und die anderen, die sich über diesen ganzen „gute Vorsätze für das neue Jahr – Quatsch“ auslassen und meinen, man könne das ganze Jahr über an seiner Gesundheit oder dem Konsumverhalten arbeiten und müsse das nicht vom Jahreswechsel abhängig machen.
Ich sage: wer sich gute Vorsätze für ein neues Jahr nehmen möchte, der sollte erstmal das alte richtig beenden.
Grundsätzlich glaube ich, dass man an seinem eigenen nennen wir es mal Fehlverhalten jederzeit arbeiten kann.
Diäten müssen nicht auf ein Datum fixiert werden und seine Shoppinggewohnheiten kann man heute, morgen oder übermorgen ablegen.
Allerdings und hier sehe ich den persönlichen Anreiz für viele, ist es einfach ein gutes Gefühl, ein Kapitel abzuschließen und so ein neues zu beginnen. Wenn ein Jahr nicht wie erwartet oder besonders bescheiden verlaufen ist, dann ist man ganz froh, wenn man dieses beenden und sich auf das neue Jahr konzentrieren kann.

Gute Vorsätze müssen nicht immer in Form von Sparplänen, Diäten oder bestimmten Zielen sein.
Vorsätze können sich auch ganz automatisch aus dem Abschluss einer alten Sache ergeben und sich eher in Form von Erkenntnissen äußern.

Bei mir ist das in diesem Jahr beispielsweise so der Fall. Zwar nehme ich mir (wie in jedem Jahr) in Blogangelegenheiten und beruflich eine Menge vor, aber für das kommende Jahr stapele ich die Karten neu.

Meine Vorsätze beruhen auf den Erfahrungen, den Tief- und Höhepunkten des Jahres 2017.
Ich habe Resonanz gezogen, das vergangene Jahr privat und beruflich in Etappen geteilt und für jede Etappe ein Fazit genommen.
Das letzte Jahr hat mich unfassbar als Mensch geprägt und ein ganzes Stück näher zu mir selbst gebracht. Es war gespickt mit jeder Menge Griffen tief in die Scheiße und Tränen wie aus Sturzbächen.
Es hat mich wieder einmal Dinge gelehrt, von denen ich gedacht hätte, mehr könne man über dieses und jenes gar nicht wissen. Aber schlimmer gehts immer und jede Erfahrung bringt einen letztendlich nur weiter.

Die Erkenntnisse, die schlechten wie guten Erlebnisse, prägen die eigene Denkweise und man beginnt, mehr auf sich selbst zu hören, auf seine Bedürfnisse und weniger auf die Erwartungen äußerer Einflüsse.

2017 sehe ich für mich als ein Jahr der Erkenntnis und der veränderten Sichtweisen aus denen ich wiederum in 2018 und sicher auch darüber hinaus profitieren werde.

Ich glaube hier ist es auch, wo man ansetzen sollte, sobald man über gute Vorsätze nachdenkt.
Bevor ich mir etwas neues vornehme, sollte das Alte abgeschlossen sein, um mich vollkommen auf das neue Projekt konzentrieren zu können.

Bevor ich mich also mental und emotional nicht von altem Ballast lösen konnte, sollte ich auch nicht versuchen, mich durch etwas neuem davon abzulenken.
Es ist eben wie mit einem Buch: ich kann nicht behaupten, ein Buch gelesen zu haben, wenn ich das letzte Kapitel ausgelasse. Dann kenne ich einen Teil der Geschichte, nicht aber das Ende.
Zu jedem Jahr gehört das letzte Kapitel und dieses Kapitel heißt „Fazit nehmen“ „Bilanz ziehen“ „Schlussstrich setzen“ oder oder oder.

Ich glaube, ein Fehler, den ich in den letzten Jahren immer wieder gemacht habe, war, dass ich zu viel aus dem alten Jahr oder generell aus innerlichen, noch offenen Konflikten mitgeschleppt habe und selten Altlasten vollkommen abwerfe.

 

 

Sachen analysieren und für sich auswerten können, um anschließend mit einem positiven Fazit einen Strich drunter zu setzen -das kann nicht jeder, will aber auch nicht jeder.
Ich möchte mich nicht mehr länger als unnötig an unschönen Dingen festhängen, sondern nehme für mich nur die wichtige Erkenntnis daraus und konzentriere mich im Anschluss vollkommen auf eine neue Sache.

Überraschenderweise endete so übrigens auch mein 2017.
Da ich bereits den Abend davor ordentlich tanzen war und man als Berliner am Silvester Abend auf vieles Lust hat, gewiss aber nicht, sich mit all den Touristen in völlig überfüllten Clubs zu utopischen Eintrittspreisen zu drängen, habe ich es mir ganz allein mit dem Hund zu Hause gemütlich gemacht und wollte eigentlich nur am neuen Blog und den letzten Projekten des Jahres werken, bisschen lecker essen und meinen Gin genießen.

Stattdessen verbrachte ich die Silvesternacht unerwartet am Telefon mit der Person, die mich in diesem Jahr besonders tief verletzt hat und wir sind in einem sehr intensiven, aufschlussreichen und ehrlichen Gespräch gemeinsam aus dem alten ins neue Jahr gerutscht.
Ich konnte mir also in der Silvesternacht nochmal sehr bewusst all den Mist des vergangenen Jahres vor Augen holen, mich davon befreien und und mit einem sehr zufriedenen Lächeln ins neue starten.
Viele mögen das für vollkommen verrückt halten, aber für mich hätte es in dieser Nacht keinen befreienderen Akt geben können und wenn es sich richtig anfühlt, dann sollte man den Dingen seinen Lauf lassen.

Sehen wir jedes Jahr nicht nur als Buch mit 365 leeren Seiten an, sondern auch als leeren Rucksack, den wir über die Monate hinweg mit Ballast füllen.
Einen Teil davon werden wir wieder los und unser Päckchen auf dem Rücken wird leichter. Einen anderen Teil tragen wir mit uns herum und erschweren uns damit jeden noch so kleinen Schritt um ein vielfaches.
Nun haben wir selbst die Entscheidung, ob wir den gefüllten Rucksack mit ins neue Jahr nehmen oder ob wir in der Lage sind, all die schweren Steine auf unserer Reise abzuladen und mit leerem Gepäck, offenem Herzen und freien Gedanken in das nächste Abenteuer zu starten.

 

 

Die Entscheidung hierfür liegt bei jedem allein.
Mein Rucksack ist in diesem Jahr das erste Mal leer und es fühlt sich unglaublich gut an. Leichter und unbeschwerter und so ist nun auch wieder Platz und Kraft für neue Steine, neue Hindernisse und neue Wege – egal wie steinig.

Wenn ich mir also einen Vorsatz für 2018 nehme, dann den, dass ich aus dem Schatz des Vergangenen schöpfen möchte und mir diese neuen Erkenntnisse vor Augen halten werde.

Ich möchte nicht vorsichtiger sein, nicht ängstlicher, dafür aber gewissenhafter.
Gewissenhafter in meinen Überlegungen, in meinen Entscheidungen und auch in meinen Überzeugungen.
Ich möchte mich noch intensiver mit den Dingen auseinandersetzen, die mich beschäftigen und irgendwie, ob ganz bewusst oder eher unbeabsichtigt, beeinflussen.

Mich stört es nicht, wenn andere mich für zu nachdenklich halten, für zu emotional oder für naiv.
Ich gebe meinen Gedanken, meinen Emotionen und meinen Erkenntnissen freien Lauf.
Und das ist mein Vorsatz für 2018.

„Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln:
Durch Nachdenken – das ist der schwerste.
Durch Nachahmen – das ist der leichteste.
Durch Erfahrung – das ist der bitterste“
(Konfuzius)

 

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