Sieg über den Chiffon

Hallo

Kennt du diese Projekte, die dich um den Verstand bringen und bei denen du am liebsten alles in die Tonne schmeißen möchtest vor lauter Wut?
Die Bluse, um die es heute geht, war so ein Projekt. Ein Kampf.
Ein Kampf auf Leben und Tod. Also gefühlt.
Die Bluse oder ich, nur einer von uns würde über den anderen siegen.
Nachdem bereits die Knopfsuche im passenden Farbton zum Chiffonstoff mein Projekt fast zum Scheitern brachte, war der Ärger beim Nähen quasi vorprogrammiert.

Stunde um Stunde habe ich damit zugebracht die Bluse zurecht zu tüffteln.
Ich dachte, meine Angst vor Chiffon hätte ich Dank der erfolgreich beendeten Projekte überwunden und ich wäre gewappnet für mehr. Doch diese Bluse hat mir alles abverlangt, was ich bisher über das Nähen gelernt hatte.

Schnitterstellung, Zuschnitt, Nahtzugaben, exakte gerade Nähte, die
dicht beieinander verlaufen und das alles mit einem so zarten Stoff, bei
dem man meint, man hätte einen Hauch von nichts in der
Hand.
Normalerweise zähle ich nicht mehr zu den Nachtschwärmern an der
Nähmaschine, doch dieses Projekt verfolgte mich über Tage hinweg immer
wieder bis tief in die Nachtstunden.
Völlig in meine Arbeit
versunken saß ich dann an meinem großen Nähtisch vor meinen
Maschinen, die nachts noch viel lauter zu rattern scheinen, als am Tage.
Zumindestens schüttelt es mich direkt wieder, wenn ich an das Hämmern des Transporteurs und der einstechenden Nadel denke.
Vielleicht war es aber auch einfach meine Müdigkeit, die alles zu einer unangenehmen Geräuschkulisse vereinte.

Es  wurde gezeichnet, angepasst, zugeschnitten, zusammengeheftet,
versäubert, genäht, festgestellt dass man nicht gerade geworden ist und
somit alles wieder aufgetrennt.
Nicht gerade prickelnd bei Chiffon.
Drei Anläufe hat es gebraucht, bis die Bluse so wurde, wie du sie jetzt hier siehst.
Der erste ging völlig daneben:
Der
Halsauschnitt zu weit, die Puffärmel eher ein Desaster,da sie nicht
gleichmäig saßen und das „puffige“ eher knitterig aussah,  die Biesen
weder gerade noch parallel verliefen und an den Seitennähten wellte sich
alles. Da saß ich nun völlig frustriert und mit den Händen vor meinem
Gesicht gefaltet, als wolle ich ´Kuckuck` mit Loona spielen.
Aufgeben oder weitermachen???

Version zwei folgte am nächsten Tag. Zuerst war die Schnittänderung dran und ich habe mich in der Grundversion auf den Schnitt Marla von Kreativlabor Berlin gestützt, da hier die Passform im wesentlichen stimmt und habe dann „nur“ noch alles nach meinen Wünschen angepasst.
Angefangen von der versteckten durchgehenden Knopfleiste, über die Biesen und den engeren Halsausschnitt.

Die größte Hürde waren die Biesen und diese auch der Grund für die misslungene Nummer 2.
Ich habe so oft aufgetrennt, bis der feine zartrosane Alptraum nur noch durchlöchert war und sie nach Mottenfraß aussah, noch bevor sie wirklich fertig war.

Zu meiner seelischen Beruhigung lief im Hintergrund Edith Piaf. Ohne sie hätte ich es nicht überlebt. Ich schwöre.
Ich
hatte das Gefühl, dass diese französischen Chansons perfekt zu meiner
Bluse passen würden und so trällerte ich beim Nähen leise „nooooooo je
ne rien…. noooo je ne regrette rien…“. Ziemlich passend eigentlich
oder?

Bei dieser Bluse ging es darum präzise zu arbeiten, perfekt und fehlerfrei.
Kurz vor der Niederlage habe ich meine letzten Kräfte mobilisiert, mich aufgerafft, den Angstschweiß von der Stirn gewischt, laute Kampfschreie (okay, es waren kleine, leise Wutanfälle á la „boaah ich schmeiß hier gleich alles über den Balkon so ein Sch***dreck hier, verdammt“) heraus gebrüllt und mit tiefen Seufzen die Bluse beendet.
Biese für Biese wurde vorsichtig gebügelt, um sie anschließend mit den dünnsten Nadeln ever abzustecken.
Ich saß wirklich mit zitternden Händen da, haben die Augen zusammen gekniffen und und mir immer wieder auf die Lippen gebissen, während ich den Chiffon langsam Stich für Stich unter die Maschine schob.
Ich habe die Falten so langsam genäht, dass ich fast schon Angst hatte, mein Kopf würde vor lauter Müdigkeit auf die Maschine klatschen.
Einen Kaffee hielt ich um Mitternacht allerdings auch nicht für angebracht. Ich dachte an Zahnstochern in den Augen, um sie offen zu halten, fand aber nirgendwo welche.

Mein Tipp fürs Nachmachen: ein Kantenfuß!

Aber mein mühsam schleichendes Nähen war von Erfolg gekrönt. Ich bin zufrieden und überaus stolz.

Ich bin stolz darauf, dass am Ende tatsächlich ein ansehnliches schickes Kleidungsstück entstanden ist.
Okay, hier und da mogeln sich noch immer kleine Fehler unter und nicht jede Naht ist ein Volltreffer.
Allerdings fallen diese so wenig ins Auge, dass bisher niemand auf die Idee kam, dass die Bluse von mir genäht wurde.
Im Gegenteil… man staunt mich mit weit aufgerissenem Mund an und kann nicht glauben, dass ich das gefertigt haben soll.

Ja… Wie du lesen konntest, war das auch alles andere als eine easy Nummer für mich.
Vorläufig mag ich dann auch erstmal keine Biesen mehr nähen. Auch nicht abstecken… und schon gar nicht bügeln.

Der Rock ist in diesem Falle ein Kaufteil aus Italien von unserem Besuch in Florenz und mit nicht mal ganz 10€ ein echtes Secondhand Schnäppchen! Hat ein bisschen was von Dirty Dancing zusammen mit der Bluse oder?
Den
selbst zu nähen wäre nach der Bluse wohl mein Todesurteil gewesen und
man hätte mich erschöpft wimmernd und zusammengekauert unter dem
Nähtisch gefunden.

Ein weiteres Outfit mit dieser Bluse siehst du HIER 



Tipps zum Nähen mit Chiffon & Biesen:

-Kantenfuß verwenden (für die Biesen und zum Absteppen)
– möglichst die feinsten Nähmaschinen- und Stecknadeln verwenden
-GEDULD haben 
-langsames arbeiten verhindert häufiges auftrennen 😉 
-Die Stichlänge lieber etwas höher stellen, dann wellt es sich weniger !

So und nun bist du dran: 
Hast du auch so ein Projekt was dich um den Verstand gebracht hat? Hast du es beendet und liegt es immer noch auf deinem UFO Haufen??? ich bin gespannt 😉 

LIEBST DEINE  P L

Outfit:

Bluse by Piccola Loona (Schnitt abgewandelte Marla von Kreativlabor Berlin
Rock- Mitbringsel aus Italien (Secondhand Shop Florenz > 10€) 
Stoff – Kreppchiffon in altrosa

Danke an meine liebliche Fotografin Feli
Instagram: https://instagram.com/curvybeautyyy/

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heute bei RUMS

http://rundumsweib.blogspot.de

  • Claudia

    Hallo, also dann gratuliere ich dir zu deinem Durchhaltevermögen. Die Bluse und vor allem das Gesamtoutfit sehen großartig aus.
    lG Claudia

  • Luci

    Wow, das liest sich ja ... anstrengend ;) Aber das Ergebnis überzeugt, und ich hoffe, du kannst die Bluse bald anziehen, OHNE an das Tackern der Maschine denken zu müssen!

    GLG, Luci

  • Zauberflink

    Soooo cool! Herzlichen Glückwunsch zum Sieg über die Bluse ;-) sie ist prächtig. Dass man deine Tatoos durchschimmern sieht, finde ich besonders schön. Und die Bilder sind toll.

  • Ein Quentchen Glück

    Sehr cooles Outfit!!!
    Die Chansons passen irgendwie zur Bluse, sie sieht so nach Paris aus;-)

    Liebste Grüße Karina

  • emilea-berlin

    Wow, ein absolutes Meisterstück! Ich bin beeindruckt!!
    Liebste Grüße
    Manu

  • Lale A.

    Die Bluse ist wirklich bezaubernd geworden, ja, ich denke das ist das richtige Wort: bezaubernd! So leicht und luftig, die tollen Biesen, sehr viel Arbeit steckt darin und das Ergebnis ist wie ein Märchen! Einfach schön!

  • schnucksetippel

    da hast du aber was ganz tolles genäht, und der schöne Stoff macht "die Sache" perfekt**
    lg barbara

  • Mississbibi

    Wahnsinn! Die Bluse sieht einfach nur wunderschön aus!!! Und alles zusammen an dir einfach toll!

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